Zweiter Tag There Are Worse Bands und zum ersten Mal musste man sich entscheiden zwischen vermeintlich ruhige Gitarrenmusik im DB Public House oder ein tanzbares Folk-Quartett in der Ravioli Bar.
Der Abend im DB Public House wurde zwar als eher ruhig angesagt aber Daniel Korber liess sich weder davon, noch von der düsteren Novemberstimmung beeinflussen. Er war gleich zu beginn voller Energie und guter Laune. Mit geballter Wortakrobatik und dem Schalk im Nacken waren er und seine Gitarre ein Wirbelwind der Ideen. Seien es Songs über eine herbeigesehnte Alien Invasion oder über seinen Hass von Leycamobile alles mögliche wurde kritisch beäugt und songlich verarbeitet. Das DB Public House goutierte dies mit Applaus, Gelächter und dem Wunsch nach mehr.

Mit Knopf kehrte dann die angekündigte Ruhe und Melancholie ein. Der begnadete Geschichtenerzähler nahm das Publikum im DB Public House mit in raue Gegenden und emotionale Höhen und Tiefen. Mit einer Ruhe die einem trotz der hin und wieder schweren Themen in den Liedern eine Geborgenheit vermittelte waren Knopf’s Songs ein Fels in der Brandung. Unaufgeregt und entschlossen wurde man an der Hand genommen und auch zu jedem neuen Lied erhielt man eine kurze Einführung so dass man nie verloren gehen konnte.
Untermalt mit der Pedal Steel Gitarre, gespielt von Andy Zahnd, wurde man endgültig in irgendeine verrauchte Bar in den Tiefen von Amerika transportiert. So merkte man erst als das Konzert fertig war, dass die Stühle langsam hochgeklappt wurden und das DB Public House eigentlich schon seit einer Viertelstunde geschlossen wäre.

Die 90m weiter südwestlich gelegene raviolibar (Google Maps) war auch an diesem Abend gewohnt „crowded“, so dass es selbst den Festivalorganisator:innen schwer fiel, überhaupt auf die Bühne zu gelangen um die Band anzusagen. War diese Herausforderung erstmal gemeistert, blieb einem nicht viel übrig, als dann auch gleich dort zu bleiben und die zwei Sets von Maple Tree Circus zu geniessen.
Und das war wie immer ein grosses Vergnügen. Die vier Musiker spielten ihre Bluegrass und Folk Songs in gewohnt ruhiger und souveräner Art und Weise und zogen die kleine Bar an der Ecke Hirschmattstrasse-Pilatusstrasse in ihren Bann. Zumindest den Grossteil davon. Ein paar wenige Gäste hatten scheinbar nichts vom Festival mitbekommen und sich an diesem Abend zu Feierabendbier und Plauderei verabredet. Die Band liess sich davon allerdings nicht aus der Ruhe bringen, sie beruhigten die Bar sogar damit, dass es OK sei, wenn man während ihren Songs spricht und dass sie sich weitaus schlimmeres gewohnt seien. Sympathisch!
Ganz zum Schluss, beim letzten und ruhigsten Song, wurde die Bar dann aber doch noch ganz still und die vier Musiker spielten mit Akustik-Gitarre, Kontrabass, Banjo und Geige, eng um das einzige (!) Mikrofon auf der Bühne versammelt, mit mehrstimmigem Gesang eine Ballade und ernteten danach tosenden Applaus.
Dieser Moment geht definitiv in die Geschichte der denkwürdigsten TAWB Momente aller Zeiten ein.

Ein weiterer erfolgreicher There Are Worse Bands Festival Abend also. Wie könnte auch anders sein. Wenn man sehen möchte ob es so erfolgreich weiter geht, dann kann man sich heute auf den Weg in die Bar 59 machen und sich Fluffy Machine und Horny Dolphines anschauen und anhören. Nur schon namenstechnisch ein Hochgenuss.